Spieltag in Eidelstedt

Samstagnachmittag in Schnelsen, Halle Eidelstedter Brook, draußen leichter Niesel und kalte Temperaturen, in der Halle spielen die männliche B-Jugend des TuS Appen gegen den TSV Stellingen. In der Halle ist es kühl, das Spiel ist etwas einseitig und es haben sich nur einige Zuschauer eingefunden.

 

Doch plötzlich verändert sich die Atmosphäre: Die Mannschaften der nächsten Partie treffen in die Halle ein, sehen einander und jubeln den gegnerischen Recken laut zu. Großes Hallo, man liegt sich in den Armen oder klatscht ab. Schnell wird eine Party-Packung Gummibärchen aus einer Sporttasche gezaubert und unter den beiden Teams verteilt – auch alle Zuschauer des laufenden Spiels bekommen Gummibärchen angeboten. Mitunter ist der Zirkus am Spielfeldrand so groß, dass selbst der Rechtsaußen des aktuellen Spiels interessierter am Geschehen ist, als am eigenen Angriff.

 

Ein ganz normaler Anfang für einen Freiwurf Hamburg Spieltag. In der inklusiven Liga steht das Miteinander und die Teilhabe aller Spieler im Vordergrund. Daher hat man in der Liga auch keine Gegner, es sind befreundete Teams, mit denen man gemeinsam ein Spiel bestreitet. Natürlich geht es dann auch um Torerfolge, Abwehrleistung und Gewinnen – aber eben nicht in der Hauptsache. So wundert es auch nicht, wenn sich die Trainer vor dem Spiel nicht nur miteinander unterhalten, sondern ihre Taktiken aufeinander abstimmen und mitunter auch Spieler ihrer Teams tauschen. Dinge, die sonst im Handball unmöglich sind. 

 

Gleichwohl kommen richtige Handball-Spiele zustande. An diesem Samstag stehen zwei Partien an: Zunächst spielt das Team des SV Eidelstedt I gegen die Mannschaft des FC St. Pauli. In einer sehr spannenden und umkämpften ersten Halbzeit wechselt immer wieder die Führung und der FC St. Pauli geht mit einem knappen Vorsprung beim Stand von 5:4 in die Halbzeit. Nach Anpfiff der zweiten Halbzeit können die Eidelstedter noch gut 5 Minuten mithalten, doch dann geht Ihnen die Puste aus. Der FC St. Pauli kann sich auf 11:6 absetzen und das Spiel kontrollieren. Völlig verdient gewinnt das Team mit 14:8 und freut sich über die ersten Punkte in dieser Saison.

In der zweiten Partie tritt das Team SVE II gegen die SG Wilhelmsburg an. Auch hier wechselt die Führung in der ersten Halbzeit mehrmals und beide Teams schenken sich wenig. Erst gegen Ende der ersten 20 Minuten kann sich die SG Wilhelmsburg mit 6:4 leicht absetzen. Doch die Partie ist noch nicht gelaufen. Das Team des SVE II lässt die Wilhelmsburger nicht über einen Zwei-Tore Vorsprung kommen und schafft in einem Kraftakt 4 Minuten vor Schluss des Ausgleich zum 8:8. Die Partie wieder komplett offen. Beide Teams sind mit dünner Personaldecke angetreten und die 40 Minuten Spielzeit kosten merklich Kraft. Doch letztlich haben die Wilhelmsburger noch mehr „Körner“ über und können die Partie in einer packenden Schlussszene für sich entscheiden. 

Glücklich und zufrieden gehen alle Teams nach Abpfiff von der Platte. Es waren zwei großartige Partien. Und wer gewonnen hat – das ist schon wieder gar nicht mehr wichtig.